Vereinsleben

Nicht immer ging es dem Verein finanziell so gut wie heute. Nach einem zunächst geglücktem Start Anfang der 50-er Jahre schlidderte der Verein 1955 in eine Krise. Die Mitgliederzahl stagnierte nicht nur, nein, sie reduzierte sich von 120 auf etwa 70, sodaß im Jahr 1955 sogar die Schützenbrüder Eintrittsgeld beim Königsball entrichten mußten. Der Geschäftsbericht für das Jahr 1960 weist sogar ein Minus von 800,- DM aus.

Mit der Feier zum 125-jährigen Bestehen verbesserte sich die Lage deutlich. Die geschickte Einführung des Jugendtanzes am Pfingstsonntag zahlte sich aus. Dazu kam, daß eine hervorragende Musikgruppe mit sympathischen, jungen Musikern für die Gestaltung des Abendprogrammes gewonnen werden konnte - die Ferdi-Boys.


Auch zu Beginn der 50-er Jahre hatte man mit hervorragenden Musikgruppen wie den Musikern des Arbeitervereines, der Gruppe Kadell und später der Gruppe Sperner, beste Erfahrungen gesammelt. Eine gute, zugkräftige Band verschönert nicht nur den Abend, sie macht sich obendrein auch noch bezahlt.

 

Was die Bezahlung anbetrifft, waren die Forderungen der Musiker 1950 eher bescheiden, 1,- DM pro Mann und Stunde. Auch die erste Gage der Ferdi-Boys 1971 dürfte man an heutigen Maßstäben gemessen eher als besseres Trinkgeld bezeichnen. Ganze 250,- DM lautete seinerzeit die Forderung. Dazu gab es 50,- DM  Trinkgeld, weil sie so hervorragend gespielt hatten.

 

Heutige attraktive Showbands müssen schon aufgrund ihrer hochwertigen technischen Austattung, die nicht nur gepflegt, sondern auch bewegt, auf- und abgebaut werden muss, ein Vielfaches dieser Gagen erheben.

Hinzu kommt, daß man dem veränderten Musikgeschmack des Publikums Rechnung tragen muss, sofern man eine wirtschaftlich positive Bilanz nach dem Festverlauf wünscht. Hier den verschiedenen Meinungen ausgewogen zu entsprechen, ist wohl schier unmöglich.

Eines steht jedoch fest:  Nicht jedes moderne Musikstück ist als "Hotten-Totten-Musik" abzuwerten, aber auch nicht jedes verdient das Prädikat "musikalisch und künstlerisch wertvoll".

 

Kompromißdenken und Gesprächsbereitschaft zwischen den Interessengruppen sind gefragter denn je zuvor. Die Schützengemeinschaft ist gefordert, Konflikte zwischen jung und alt zu bereden und einvernehmlich zu lösen. Das ist nicht immer leicht und erfordert eine ständige Kompromißbereitschaft von allen Beteiligten.

Veränderte Gewohnheiten müßten - wie man meinen sollte - auch ihre Auswirkungen auf den alljährlichen Festverlauf haben. Das ist nicht der Fall.

Allerdings schießt man seit 1976 nicht mehr mit dem Luftgewehr auf eine 12-er Ringscheibe, sondern mit der Schrotflinte auf einen hölzernen Vogel. Maßgeblich soll diese Entwicklung unser Pastor Brömmelhaus beeinflußt haben, der keine Gelegenheit ausließ, für die publikumswirksame Art des Königausschießens zu werben. Auch verzichtet der Schützenverein heute auf die Begleitung des Umzuges von berittenen Zugoffizieren.

 

Aber das hat seinen Grund:

 

Unser langjähriger 1. Vorsitzende, Josef Runge, der aufgrund seiner exzellenten Reitkünste zum Generaloberst ernannt wurde, weiss davon zu berichten, wie schwer es ist, ein feuriges Pferd unter den Klängen eines Spielmannszuges oder Fanfarenchores ruhig zu halten.

1950 lieh er sich ein rassiges Vollblut, das schon vor den ersten Klängen der Musikgruppen aufgeregt tänzelte. Mit dem ersten Paukenschlag ging zum ersten Mal sozusagen die "Post" ab. An der Landesgrenze zu Niedersachsen - weit aus dem Blickfeld der Schützenbrüder - gelang es ihm endlich, das Tier zu beruhigen und wieder langsam zum Festumzug zurückzuführen.

Auf dem Nachhauseweg erlebte er eine vergleichbare Situation auf der Salzbergener Str. in Höhe der Quakenbrücker Einsenbahnlinie. Wieder traf es unseren armen Postillion, der sich nur mit Mühe im Sattel halten konnte. Nach dieser Tortour habe er, so sagt er, drei Tage  besser stehen als sitzen können. Obendrein trat das Pferd auf dem Antreteplatz am Frieden aus und traf dabei die Schützenscheibe in den Händen des Trägers mit den Hufen. Die Scheibe zerbarst in drei Stücke - ein gefährliches Spiel.

 

In einem anderen Fall wurde durch ein austretendes Pferd der Kofferraumdeckel eines Pkw zerdellt. Diese Erlebnisse ließen den Entschluß reifen, auf die berittene Zugbegleitung zu verzichten, zumal sich das gesteigerte Verkehrsaufkommen an den Zugwegen hinsichtlich der Reiterei als zusätzliche Gefahrenquelle darstellt.